Stripes
Denn wir schreiben Geschichte

Romeo,

Es gibt vermutlich niemanden, der mehr Angst davor hat, sich zu verlieben, als ich. Du weißt, wie vorsichtig ich bin und da macht es eigentlich keinen Unterschied, ob es um ein verlassenes Industriegebiet geht, oder darum, sich zu verlieben. Ich kann nicht behaupten, dass mein Herz bisher besonders oft gebrochen wurde, im Grunde wurde ich davon sogar vollkommen verschont, aber gerade deswegen, will ich mein Herz schützen und mich auf keinen Fall verlieben. Aber vermutlich ist das genau die falsche Taktik. Wenn man nichts wirklich an sich heran lässt und immer alles direkt abwiegelt, so hat das Herz irgendwann nichts mehr zu tun und erkaltet. Das ist vermutlich auch der Grund, weswegen ich das ewige „Ich darf mich einfach nicht verlieben!“ aufgegeben habe und ausgerechnet bei dir all meine Vorsicht in den Wind geschlagen habe. Sagen, dass ich in dich verliebt bin, würde ich dir nie. Aus Angst vor deiner Reaktion, aus Angst vor dem „Das wird nichts“ und aus Angst davor, meine Illusion zu verlieren. Die Illusion und auch die Hoffnung, dass das vielleicht doch irgendwann etwas werden könnte. Und spätestens, wenn ich dir von meinen Gefühlen erzähle, muss ich mich auch mit deinen auseinandersetzen. Mit deinen realen Gefühlen, und nicht mit denen, die dir in meiner Illusion angedichtet habe. Manche mögen das vielleicht naiv nennen, ich halte das jedoch, meistens, für überaus klug. Es hat etwas mit Selbstschutz zu tun, würde ich sagen. Aber was bei zu viel Selbstschutz passieren kann, hatten wir eben bereits.

Es ist recht merkwürdig, wenn ich morgens aufwache und spätestens als drittes an dich denke und ich abends einschlafe und du irgendwo in meinem Kopf rumspukst – Und ich, wenn wir ganz ehrlich sind, dich kaum kenne. Du hast keine Ahnung, wie oft mir irgendwelche Fragen einfallen, die ich hätte, wenn du gerade nicht da bist und ich dich am liebsten anrufen würde. Und wie leer mein Kopf ist, wenn du vor mir stehst. Du hast mich nie erlebt, kurz bevor wir uns getroffen haben. Und hast mir auch hoffentlich nie hinterher geschaut, wenn sich unsere Wege wieder getrennt haben. Es wäre also nur allzu verständlich, wenn du mir sagen würdest, dass ich gar nicht in dich verliebt sein kann. Aber wenn ich etwas kann, dann ist es meine eigenen Gefühle einzuschätzen. Die, der anderen dafür kein bisschen, leider.

Am liebsten wäre es mir, wenn ich morgen früh aufwachen würde und in dir nicht mehr als einen Freund sehen würde. Denn das ist vermutlich das Maximum, was du in mir siehst. Und eigentlich ist es perfekt so, wie es ist. Wäre ich nicht in dich verliebt. Und weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die so etwas einfach abstellen können, aber auch nicht zu denen, die über ihre Verliebtheit reden, werde ich genauso weiter machen, wie bisher auch. Ich bin überzeugt davon, dass du dich, wenn ich nur lange genug auf dein Unterbewusstsein einwirke, irgendwann in mich verlieben wirst. Am allerliebsten würde ich dir diesen Text zeigen, aber dann hätte ich wieder das Illusions-Problem. Oh, wie ich es hasse, absolut schlecht im Lesen der Reaktionen anderer bin. Meine Gedanken sind für alle wie ein offenes Buch, die der anderen für mich, meistens eines mit sieben Siegeln.

Ich könnte noch jahrelang weiter schreiben, aber das Schlimme ist, dass mir tatsächlich die Worte fehlen. Buchstaben sind das, womit ich am besten umgehen kann, und bei dir klappt es leider kein bisschen. Vermutlich würde ich mit ein paar Blicken, Bewegungen und Berührungen mehr aussagen können, als mit diesen ganzen Worten hier. Aber davor, dass du einen Schritt zurückgehen könntest, wenn ich einen auf dich zu gehe, davor habe ich die meiste Angst.

26.12.08 01:09
 


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